Männer oder Jugendliche, die Opfer von Gewalttaten werden, glauben oft, das einfach wegstecken zu können, die Spuren am Körper verheilen, von den seelischen wird sich doch ein Mann nicht „fertig machen lassen“. So ist die allgegenwärtige Meinung. Männer und Gewalt werden in unserer Gesellschaft als Tabuthema betrachtet, etwas, dass allenfalls milde belächelt wird. Dabei haben männliche Opfer nicht weniger mit den psychischen Folgen zu kämpfen. Totgeschwiegen werden die Angst, dass es wieder passiert, man dem Täter, den Tätern, der Täterin oder den Täterinnen wieder begegnet. Die Angst, Strafanzeige zu erstatten, weil die Rache der Gewalttätigen gefürchtet wird. Alpträume, Panikattacken, Flashbacks werden nachlassen – hoffen die Opfer. Durch den Mantel des Schweigens verschwinden Probleme nicht, Straftaten haben langfristige Folgen.
Jungs, Männer: Habt den Mut über das Erlebte zu reden, motiviert damit auch andere Betroffene – insbesondere männliche Opfer – Hilfe zu suchen und zu finden. Reden bricht die Dämme des Schweigens, ihr werdet sehen, dass ihr nicht allein seid.
Zahlen der PKS (polizeilichen Kriminalstatistik) zeigen die Fakten: Der Gesamtanteil männlicher Opfer beträgt etwa 60 Prozent – und das sind nur die Opfer, die der Polizei bekannt sind. Auch hier liegt die Dunkelziffer deutlich höher. Bei den angezeigten Körperverletzungen sind sogar 64 Prozent der betroffenen Opfer männlich. Erfasst sind hierbei alle Gewalttaten – unabhängig vom Geschlecht des/der Gewalttätigen.
Was? Männer sind Opfer von Gewalt – auch durch Frauen? Wo? Gibt es das?
Vorreiter mit der Kampagne „Mann, gib dich nicht geschlagen!“, ist Sachsen. Häusliche Gewalt bei Männern ist subtiler. Mit Bratpfannen oder anderen Gegenständen um sich schlagende Furien sind schwer vorstellbar, was nicht bedeutet, dass es sie nicht gibt. Oftmals ist es jedoch die schleichende, psychische, emotionale und ökonomische Gewalt, die Sorge um gemeinsame Kinder, Geld und Konten, die Männer zur Verzweiflung bringt. Frauen erpressen Männer öfter als gedacht mit der Angst, die Kinder zu verlieren. Mit der Ankündigung, den einst geliebten Partner finanziell zu ruinieren. Der häufigste Grund, warum Männer den Horror Zuhause ertragen. Sind sie erst ausgezogen, beginnt der Streit um das Sorgerecht und die verbale Entfremdung durch die (Ex-)frauen.
Über 430 Frauenhäuser in Deutschland sind versorgen jährlich etwa 40.000 Frauen und bieten ihnen Schutz vor Gewalt. Männer hingegen konnten bisher kaum und in Deutschland nur sehr vereinzelt in Notsituationen Hilfe bekommen. So sind auch die staatlichen Förderungen und Ansprüche im SGB fixiert auf Frauen. Während im §36a ausdrücklich geregelt ist, dass der örtliche Träger den Aufenthalt im Frauenhaus zahlen muss, gibt es für Männer derartige Regelungen nicht. Das widerspricht nicht nur dem Gleichbehandlungsgrundsatz, es ist unerträglich, wie Männer allein gelassen werden und zusehen sollen, wie sie zurecht kommen. Deutschlandweit gab es zwischenzeitlich gerade mal fünf Schutzhäuser für Männer, eines davon bietet Unterschlupf unter Umständen, die nicht hilfreich sind, eines ist schon wieder geschlossen. Die Notwendigkeit staatlicher und gesellschaftlicher Unterstützung für Männerhäuser in Deutschland ist mehr als gegeben. 96 % Prozent der erwachsenen Opfer häuslicher Gewalt sollen Frauen sein – bleiben 4 % Männer. Anders sieht es bei den Gewaltstraftaten außerhalb der häuslichen Ebene aus – hier sind über 60 % der Opfer Männer.
Wenn Frauen ihre Männer schlagen, wenn Männer unter gewalttätigen Attacken anderer leiden, dann ist das: Ein Tabuthema. Wann immer wir das Thema aus der Tabuzone holen, sind die Reaktionen anfangs gleich: Abwertendes Grinsen, mitleidiges Lächeln, ungläubige Fragen.
Wir möchten dafür sorgen, dass sich künftig mehr Männer Hilfe holen. Dazu gehören Schutzwohnungen, Obdach, Ruhezonen, offene Ohren und Beratung.
Für maximalen Opferschutz können wir als Projektkoordinator weder Namen noch Ort aller Gewaltschutzunterkünfte nennen. Sehr häufig sind Streitigkeiten in der Beziehung/Ehe Auslöser für Gewalterfahrungen. Eben weil Männer aus Angst, mit der Trennung auch die Kinder zu verlieren, lieber auf dem Flur oder im Gästezimmer schlafen und die Torturen ertragen, bietet das auf den Schutz von Männern fixierte „Domizil“ genügend Platz und Raum für Väter, die gern ihre Kinder mitbringen möchten.
Wie eine kleine Wohngemeinschaft. Mit genügend Privatsphäre durch ein eigenes Zimmer für jeden einzelnen Mann, größere Zimmer für Vater & Kinder sowie ein Spiel- und Lernzimmer für die Kids. Dazu einen großzügigen gemeinschaftlichen Wohnbereich als Wohn- und Esszimmer für alle, Küche, Badezimmer mit Badewanne und Dusche. Voll ausgestattet, von der Kaffeetasse bis zum Handtuch. So dass nur persönliche Kleidung und Gegenstände mitgebracht werden müssen. Für die ersten Tage soll im Bedarfsfall auch das bereit stehen. Hygieneartikel, eine Erstausstattung an Kleidung, die Möglichkeit einen Computer zu nutzen bis der eigene vor Ort ist. Der Kostenanteil wird nach den individuellen finanziellen Möglichkeiten festgelegt, aber so, dass im Bedarfsfall auch das Jobcenter einspringt.
Wir beraten und unterstützen Männer
- die Opfer von Straftaten geworden sind, unabhängig vom Delikt, auch als Opfer von Gewalt oder Gewalterfahrungen, sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt durch weibliche und männliche Täter oder Täterinnen
- bei Konflikten und Problemen im privaten, beruflichen, partnerschaftlichen Bereich
- in Lebens- und Sinnkrisen, Trennung oder Scheidung, Suchtproblemen
- bei sozialen Problemen, Einsamkeit, Isolierung, drohender Obdachlosigkeit
Liebe Männer: Traut euch! Nehmt das Telefon in die Hand oder schreibt uns! Wir sind für euch da, wenn ihr einen verlässlichen Ansprechpartner braucht, um euch auszusprechen und nach Lösungen für aktuelle Fragen und Probleme zu suchen.
Gemeinsam suchen wir nach Möglichkeiten der Konfliktbewältigung und -lösung. Gewalt hat viele Gesichter. Wir urteilen und verurteilen nicht, suchen nicht nach Schuld und Unschuld, Täter und Opfer. Wir sind objektiv, suchen und finden Verflechtungen, Verstrickungen – aus denen heraus auch auf den ersten Blick unverständliches Handeln besonders in Beziehungen verständlich wird.
Wir vermitteln weitere oder spezialisierte Hilfsangebote. Wir informieren über Selbsthilfegruppen und therapeutische Angebote, auch wenn sich Frauen zu Männerfragen informieren möchten.