Raub und Einbruch

Alle sichtbaren Einbruchspuren wurden beseitigt, penibel aufgeräumt, geputzt, gewischt und gewaschen. Jeder zittrige Handgriff monoton und doch so energisch, als könne man das Eindringen in die höchst persönliche Geborgenheit ungeschehen machen. Dass die Einbruchsstatistiken von 2009 bis 2015 um 47% gestiegen sind, 2016 dann mit einer Jubelmeldung der Politiker „gesunken“ (151.000 Wohnungseinbrüche bei einer Aufklärungsquote von 16,9%), kann niemals darüber hinwegtäuschen, dass dieses „Wunder“ nicht durch akribische Polizeiarbeit (bei unverändert wenigen Polizisten) oder anderen Ermittlungsmethoden (bei gleichbleibend überholter technischer Ausstattung) geschehen ist. Wer will von „Senkung“ und „Erfolgen“ sprechen, wenn alle drei Minuten in Deutschland Einbrecher zuschlagen? Mit der Aufklärungsquote ist mitnichten die Verurteilung gemeint, sondern die Zahl der in Frage kommenden Tatverdächtigen. Sobald ein Name auftaucht, gilt der Fall im Sinne der Kriminalstatistik als aufgeklärt. Die tatsächliche Verurteilungsquote liegt noch sehr viel niedriger: 2,6% der Täter wurden tatsächlich verurteilt! Diese Zahlen zeigen noch nicht einmal den Bruchteil des Ausmaßes, Dunkelziffern steigen vermutlich kontinuierlich. So wird von Inhaftierten berichtet, dass sie für eine Tat verurteilt wurden – davor jedoch „mindestens“ hundert andere Brüche begangen haben, bei denen man sie nicht erwischte. Während überlastete und nicht vernetzte Polizisten nach jeder Spur suchen, sind die Opfer auf sich allein gestellt.
Unerheblich ist für die Opfer auch, welcher Nationalität diese zutiefst verachtenswerten Menschen entstammen, die mit ihrer Anwesenheit in fremden Wohnungen, Gebäuden, Häusern und Schlafzimmern ganze Leben, Träume und Pläne zerstören. Aus purer Habgier, um sich selbst ein Dasein in gestohlenem Wohlstand zu ermöglichen, vernichten sie vor allem eins: Die lebensnotwendige Gewissheit, dass man in den eigenen „vier Wänden“ sicher ist. Mit den Einbrechern ist die Angst eingezogen – wenn die skrupellosen Kriminellen weg sind, beginnt für die Opfer der Albtraum. Sie berichten von Panikattacken, Schlafstörungen, psychischen Langzeitfolgen. Das geraubte Sicherheitsgefühl kann keine Versicherung ersetzen. Einen Umzug können sich die allermeisten Opfer dennoch nicht vorstellen. Einige können in ihren Häusern und Wohnungen nicht mehr leben. Regulierung der Schäden durch die Versicherung? Schwierig und fast nie in voller Höhe, vielmehr wird mit perfiden Tricks gearbeitet, um Ansprüche abzulehnen – sofern überhaupt eine Versicherung abgeschlossen wurde.
Opferhilfe vom Staat? Fehlanzeige! Selbst die höchsten Sicherheitsvorrichtungen erreichen nur eines: Die ständige Erinnerung an den Einbruch und das Bewusstsein, kein freies Leben mehr führen zu können. Das können auch wir nicht zurückbringen. Wir helfen dabei, dass Einbruchsopfer Abstand gewinnen, durchatmen können und die so dringend notwendige Ruhe finden, um die nächsten Schritte zu planen. Vor allem möchten wir das Gefühl vermitteln, nicht allein zu sein. Das hier Menschen sind, die sich Zeit nehmen, zuhören, raten und helfen.
Vielen Opfern wird geraten, die ersten Nächte nach dem Einbruch in einem Hotel oder bei Verwandten zu verbringen. Zunächst um die – in den ersten 10 Tagen nach dem Einbruch besonders akuten – psychischen Symptome in den Griff zu bekommen, schnellstmöglich Normalität zu finden und nicht zuletzt wegen der Erfahrung, dass Einbrecher bei lohnenswerten Beutezügen oder wenn sie im Tatablauf gestört wurden, oftmals wiederkommen.
Nun können sich viele einen Hotelaufenthalt gar nicht leisten, wollen Freunden oder Angehörigen nicht zur Last fallen oder sind einfach allein und haben keine Menschen im persönlichen Umkreis, denen sie vertrauen. Sie fühlen sich oft wie vergewaltigt und beschmutzt. Krisensorge fühlt sich verpflichtet, jedem Opfer einer Straftat, unabhängig von der Schwere des Deliktes, zu helfen und zur Seite zu stehen. Jede Tat ist so individuell wie die Folgeschäden für das Opfer. Deshalb können wir an dieser Stelle nicht alle Hilfsmöglichkeiten aufzeigen. Was wir tun, muss das Richtige sein – deshalb entscheiden wir gemeinsam mit dem Opfer, was und wer am meisten helfen kann.